Frauenarbeit
- Details
- Veröffentlichungsdatum
Frauenarbeit
im Schützenbezirk Schwaben
Die Anfänge ...
Die Frauenarbeit im Schützenbezirk Schwaben begann Mitte der 70er Jahre. Unsere “Pionierfrau” Maria Miller, Frau des damaligen 2. Bezirksschützenmeisters, hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Frauen und Mädchen im Schießsport zu integrieren. Die im März 2000 verstorbene Maria Miller hatte es anfangs nicht leicht.
|
Sie mußte nicht nur die “eingefahrenen” Herren im Bezirk, sondern vorallem in den Gauen und Vereinen von der Notwendigkeit überzeugen, wie wichtig die Frauen im Schießsport sind.
Unter ihrem Motto “in jedem Verein eine Damen-Mannschaft”
Langsam, in mühevoller Kleinarbeit, wurden Kader-Mannschaften mit dem Gewehr und der Pistole ins Leben gerufen. Die wenigen Mädchen, die dem damaligen Bezirksdamenkader angehörten, wurden von ihren Trainern und der Bezirksdamenleiterin sehr gefordert und gefördert, so dass innerhalb kurzer Zeit erfolgreiche Schwäbinnen bei Europa- und Weltmeisterschaften, ja sogar bei der Olympiade 1984 in Atlanta an den Stand gingen. |
Die ersten Erfolge ...
Auf ihre Mädchen aus Eppishausen (Gisela Sailer - jetzt Bainger, Jutta Sperlich - jetzt Bais und Fanni Wohlhaupter-Hiller) war die Bezirksdamenleiterin sehr stolz.
Bei den Schwäbischen und Bayerischen Meisterschaften war das Trio immer wieder auf vorderen Plätzen zu finden.
|
Die strahlenden “alten und neuen” Deutschen Meisterinnen im Luftgewehr-Mannschafts-Wettbewerb.
Dieses Bild entstand nach der Deutschen Meisterschaft in Hochbrück im August 1983.
Von rechts: Gisela Bainger, Jutta Bais und |
Fünf Jahre in Folge durften sie den Deutschen Luftgewehr-Mannschafts-Meistertitel mit nach Schwaben nehmen. Auch die unzähligen Einzeltitel und Platzierungen in verschiedenen Disziplinen waren beachtlich. Einige deutsche Rekorde gingen auf das Konto des Damen-Trios.
Die jüngste im Bunde, Gisela Sailer nahm 1983 bei der Europameisterschaft mit großem Erfolg teil. Eine Silbermedaille für die Mannschaft (hier schoß auch Jutta Bais mit) und einer Bronze-Medaille im Luftgewehr-Einzel brachten sie aus Dortmund mit. Auch bei ihrer Teilnahme an den Olympischen Spielen 1984 vertrat Gisela Sailer uns Schwaben hervorragend. Mit einem guten 6. Platz kehrte die damals 22-jährige aus Atlanta zurück. Dass dieser Erfolg gebührend gefeiert wurde und Maria Miller dies überall stolz kund tat, verstand sich von selber.
Ein steiniger Weg ...
All die Jahre über “kämpfte” Maria Miller mit den Gauen, das Amt der Gaudamenleiterin endlich zu besetzen. Lange gab es in einigen Gauen keine Frau auf diesem Posten. Gausportleiter haben vergeblich versucht, diese Aufgabe zusätzlich zu bewältigen. Aber dem großen Druck Maria Millers verdankten es schließlich die Frauen, dass sie auch von Frauen vertreten wurden.
Es wurden spezielle Damenschießen und weitere Veranstaltungen nur für die Frauen und Schützinnen angeboten, die mit großem Interesse besucht wurden.
Der Damen-Rundenwettkampf im Bezirk Schwaben, ganz nach dem langjährig erprobten
|
Vorbild der Herren, wurde von Maria Miller Anfang der 70-er Jahre eingeführt. Die erfolgreichen Damen-Mannschaften aus den Gauen gingen auf Landesebene nochmals an den Stand um die beste Vereins-Damenmann- schaft Bayerns zu finden. Unter ihrer Regie wurde 1976 der Bezirksdamenpokal ins Leben gerufen. Bis heute kämpfen jedes Jahr die besten Schützinnen aus den Gauen bereits in den Vorkämpfen um Ringe, damit sie mit einem guten Ergebnis als Grundlage in den Endkampf gehen können. Der Eifer und der Kampfgeist um diese beiden begehrten Wander-Pokale (Luftge-wehr und Luftpistole) und auch um die Einzelplatzierungen hat in all den Jahren nicht nachgelassen. |
|
|
Den Bezirksdamenpokal-Luftgewehr 1982 überreichte |
|
Kräftig unterstützt wurde Maria Miller in den letzten Jahren von Ihrer Stellvertreterin Hermine Golsner.
Maria Miller führte mit großem Selbstbewußtsein und Engagement die Schützinnen im Bezirk Schwaben von 1974 bis 1989 zu vielen Erfolgen. Unter Ihrem Engagement wurden aus den rund 4000 schwäbischen Schützinnen innerhalb der 16jährigen Amtszeit stolze 16.600 Frauen in den Vereinen. Heute haben wir Frauen einen beachtlichen Anteil von über 22 % aller gemeldeten Schützen, d. h. über 22.000 Frauen sind Mitglied im Schützenbezirk Schwaben.
Der Generationswechsel...
Hermine Golsner trat dann im Jahr 1989 endgültig in die Fußstapfen von Maria Miller und übernahm sechs Jahre lang das Amt der 1. Bezirksdamenleiterin.
Die Kaderarbeit stand auch bei Hermine Golsner im Vordergrund. Die langjährigen Freundschafts- kämpfe mit anderen Bezirken, sogar über die Grenzen Deutschlands hinaus wurden aufrecht erhalten. An die früheren Erfolge, vorallem auf nationaler und internationaler Ebene sollte angeknüpft werden. Mit Silke Galler und Gabriele Seifert konnten hoffnungsvolle Nachwuchsschützinnen herangezogen werden. Der Erfolg wurde sichtbar, so dass außer der langjährig erfolgreichen Schützin Jutta Bais, auch weitere schwäbischen Schützinnen im Nationalkader vertreten waren.
Die weiteren Damen des Bezirkskaders wurden ziemlich oft zu Freundschafts- und Vergleichskämpfen eingeladen, da auch das sogenannte “Mittelfeld” mit treffsicheren Leistungsschützinnen relativ gut bestückt war.
Hermine Golsner ging bereits 1994 auf die Suche nach einer Nachfolgerin, damit die Frauenarbeit reibungslos übergeben werden konnte. In Martina Steck fand sie eine Sportmitarbeiterin, die im Jahre 1995 dann das Amt der 1. Bezirksdamenleiterin übernahm.
Auch das Amt der 2. Bezirksdamenleiterin sollte ab diesem Zeitpunkt mehr Gewicht erhalten. So fanden wir zuerst in Sandra Kraus und dann in Doris Hausmann-Müller zwei tatkräftige Stellvertreter- innen, ab da steht in der Bezirksdamenleitung ein erfolgreiches Miteinander immer im Vordergrund.
Ein Generationswechsel kam Mitte der 90-er Jahre auf uns alle zu! Die “alten Hasen” hörten mit dem Leistungssport auf, die Familie trat bei vielen in den Vordergrund. Jetzt war Handlungsbedarf angesagt, die Trainer waren gefordert, aus den Vereinen interessierte Mädchen und Frauen für den Kader zu gewinnen.
Leistungsbereich Gewehr und Pistole ...
Neue Konzepte für die Kaderarbeit mußten ausgearbeitet, ausprobiert und immer wieder verbessert werden. Nach einigen mageren Jahren, können wir heute wieder auf unseren gut bestückten, leistungsfähigen Gewehr-Damen-Kader stolz sein.
Der Trainingseifer ist nach wie vor sehr gut. Unseren Trainern macht die Arbeit mit den jungen Frauen viel Spaß, da der Erfolg in den Ergebnissen sehr schnell sichtbar ist. Bei unseren jährlichen Abschluß-Lehrgängen, die auf fremden Schießständen in einem Schützenverein irgendwo in Bayern oder in der Schweiz stattfinden, wird zwar sehr viel trainiert und geschossen, aber auch das Kulturelle und die Kameradschaft kommen hierbei nie zu kurz.
Mittlerweile werden auch die Ehepartner und Freunde bei Veranstaltungen des Bezirks-Damen-Kaders integriert. Sie fahren mit zu den Meisterschaften (zum Scheibenwechseln, als Kofferträger oder Tröster) und lernen sich dabei näher kennen.
Der schwäbische Pistolen-Kader war immer ein Sorgenkind und dies ist er leider bis heute auch geblieben. Immer wieder fanden sich die jungen Damen zusammen, doch die privaten Bereiche konnten oft nicht mit dem trainingsintensiven Leistungskader abgestimmt werden. Hier ist auch noch einiges auf Vereinsbasis zu tun.
Ausserhalb Schwabens ...
Bei den Freundschafts- und Vergleichsschießen mit den Bezirken Oberschwaben, Unterfranken und Oberpfalz, die zum Teil schon langjährige Tradition haben, sind unsere Spitzenschützinnen stets in den sog. “Männer-Mannschaften” integriert. Es sind aber auch “neuen” Begegnungen als reine Frauen-Freundschaftskämpfe mit den Bezirken München, Unterfranken und Niederbayern und sogar über die bayerischen Grenzen hinaus bis nach Berlin entstanden. Hier sind dann in erster Linie die Kaderschützinnen und ihre Trainer mit von der Partie. Bei diesen Schießen, die viel mehr Anreiz bieten, als nur die normalen Trainingstage, zeigt sich dann, was aus den jungen Frauen geworden ist, wer Nervenstärke und Kondition hat.
Unsere Lehrgangs-Tage mit dem Gewehr- und Pistolenkader sind selbstverständlich auch offen für interessierte Frauen aller Altersstufen und Leistungen, die gelegentlich mal Tipps, Anregungen und Unterstützung bei ihrem Training suchen.
Öffentlichkeitsarbeit ...
Die neue Generation der Bezirksdamenleiterinnen ging an die Öffentlichkeit. In Zusammenarbeit mit der Jugendleitung, sollte in Augsburg und Lindau, im Rahmen des Bayerischen Schützentages, auf dem Rathausplatz ein großes Frauen- und Jugendforum stattfinden.
|
Die Schützinnen des Bezirksdamen- kaders Gewehr und Pistole mit ihren Trainern hier bei der ersten Schießmodenschau. Angefangen von den Trainings- anzügen bis hin zur kompletten Schießbekleidung mit allen wichtigen Zubehörteilen wurde den Zuschauern “fast schon professionell” eine farbenfrohe Modenschau präsentiert. Zusammengestellt wurde die Show ausschließlich aus eigener Schießbekleidung der Schützinnen.
|
Lange wurde geplant, überlegt und geprobt. Schließlich war diese große Aktion die erste dieser Art. Die Schießmodenschau, vorgeführt von den Kaderschützinnen und Trainern des Bezirkes Schwaben, sowie Aktionstische mit aktiven Schützinnen unseres Bezirkes und jede Menge an Informationsmaterial, sollte die Zuschauer aus Nah und Fern zur Aktionsbühne locken.
Dieses Frauenforum sollte Auslöser für viele weitere Aktionen in und um die Frauenarbeit im schwäbischen Schießsport sein. Sie sollen die aktiven Schützinnen im Leistungssport einander näher bringen, unseren schönen Frauenschießsport als Breitensport publikumswirksam machen und zugleich die negative Meinung in der Bevölkerung abbauen.
Auch in der Kreisen der Gaudamenleiterinnen wurde der Generationswechsel bemerkbar. Die vielen neuen, jungen Gaudamenleiterinnen sind neugierig, kritisch und wollen und müssen viel lernen, wobei die Erfahrung und das Engagement der langjährigen Gaudamenleiterinnen sehr hilfreich sind.
Weiterbildung ...
Neue Arten von Tagungen wurden eingeführt, mehr auf Weiterbildung, Austausch und Umgang mit Schützinnen und Frauen mußte gelernt werden. So ist es wichtig für uns, dass sich die Gau- und Bezirksdamenleiterinnen mindestens zweimal im Jahr zur Weiterbildung treffen. Bei den Frühjahrs- sitzungen, die mit Sportlichem und Überfachlichem nicht ganz so dicht gedrängt waren, können wir uns erlauben, auch mal “was anderes” zu tun.
Mit verschiedenen Arbeitskreisen und umfassenden Themen, wie z. B. “Wie bekommen wir die Frauen zurück an den Schießstand?”, “Was kann man, außer Schießen, im Verein noch tun?”, Schnupper- stunde “Autogenes Training”, das Kennenlernen von “exotischen” Disziplinen. Alle diese Ideen fanden bei den Frauen nach anfänglichem Stirnrunzeln, doch sehr viel Anklang und sind mit Begeisterung dabei. Die Gemeinschaft der Gaudamenleiterinnen und Gaudamenleiter wird dadurch immer mehr gefestigt.
Höhepunkt unserer bisherigen Veranstaltungen war die Herbstsitzung 2000, die verbunden mit dem 50jährigen Jubiläum des Schützenbezirkes Schwaben, eine außergewöhnliche Sitzung werden sollte. Ein gemeinsames Wochenende im entsprechenden Rahmen und schöner Umgebung war unser Ziel.
Die Gaudamenleiterinnen und die Vertreter/innen waren sofort bereit, dieses Wochenende im schönen “Alpenhotel” in Oberjoch aus ihrer eigenen Tasche zu finanzieren.
|
|
Das gemeinsame Wochenende mit den Gaudamenleiterinnen, Gaudamenleitern, deren Vertreter und den Bezirksdamen- leiterinnen hat allen sehr viel Spaß gemacht. Das erholsame Wochenende in diesem wunderschönen Hotel, bei strahlendem Sonnenschein, mitten in der winterlich verschneiten Berglandschaft, hat allen sehr gut gefallen. |
Die Anreise war schon ab Freitag möglich. Offiziell begann unser Programm erst am Samstag mit einem gemeinsamen Spaziergang und Sektempfang im Schnee, mit Blick auf unser 50-jähriges Bezirksjubiläum, nachmittags begannen die ersten Gesprächsrunden und Arbeitskreise. Zwischen den Veranstaltungen und Sitzungen konnte “man” bzw. frau sich im Hotel gut erholen und verwöhnen lassen.
Endlich hatten wir einmal genügend Zeit, nicht nur über unsere Gau- und Bezirksarbeit zu reden, sondern uns auch besser kennenzulernen. Am Sonntag nach unserer eigentlichen Herbstsitzung wurde der Wunsch wach, so etwas viel öfter gemeinsam zu tun.
Es zeigt sich, dass wir mit dieser “neuen” Frauenarbeit auf dem richtigen Wege sind.
Nicht Zahlen stehen im Vordergrund, sondern jede einzelne Schützin als Frau.
Martina Steck Doris Hausmann-Müller
1. Bezirksdamenleiterin 2. Bezirksdamenleiterin
Stand: 2001

